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Dienstag, 22. Januar 2013

Die freie Szene (?) - frei von jeglichem Ekelgefühl auf ihrem Weg in den Hintern der Geldmacht

(Bild: Berliner Markenkern, der sich in einem Gierwölkchen aufgelöst hat und unwiederbringlich weg ist)



Abgesehen davon, dass das Wort "FREI" mittlerweile von jedem Sklaventreiber, Großunternehmer und Bundespräsidenten aus Verlegenheit für sich reklamiert wird, ist es im Zusammenhang mit Kunst und Künstlern unerträglich. Welche Freiheit, von wem, von was, oder ist gar ein frei von jeglicher Intelligenz gemeint?

Bis heute sind die Debatten um die Stadt-Steuer in Berlin frei von jedem Sinn und jeglicher Wirkung.

Zitat eines Fremdenverkehrswerbers aus einer Veranstaltung zur Verteilung eines ungehobenen City Tax - Schatzes: "Wenn Wir so bleiben wie Wir sind, dann haben Wir das Beste noch vor uns". Das ist Neusprech, das ist Schlichtheit und das ist vor allem die gute alte Hoffnung auf den Endsieg.

Bei der sinnfreien Veranstaltung im Radialsystem (halbcooler Tanztheaterschuppen an der Spree) am 21.01.2013 mit dem gruseligen Titel "Wir sind die 95% - City Tax für die freie Szene - Eine Investition in die Zukunft" fielen viele solcher oralen Ergüsse. "Die größte und am schnellsten wachsende Kulturmetropole der Welt", auch vom oben zitierten Werbewichtel imaginiert, trägt der Tatsache Rechnung, dass die Welt für Berliner Kulturfuzzis und Fremdenverkehrswerber anscheinend nur aus Berlin besteht. Ferne Planeten und Galaxien wie Sao Paulo, Peking, Mumbai, London und Paris sind eben Welten, die der freie Berliner Kulturegomane noch nie wirklich betreten hat, und wie es aussieht, ist er auch nicht auf dem Weg dorthin.

Berlins Markenkern ist angeblich Wandelstadt - cool und hip, das ist die Stadt nach Aussage der Diskutanten, auch ein besonders freier "Gründer" war dabei, der den Markenkern als Lebendigkeit und Dynamik empfindet. Bei soviel Kernigem muss man den Protagonisten, zu denen auch der unfähigste alle Kulturstaatssekretäre zählte, zugute halten, dass sie eigentlich ne ganz schöne Marke sind. Wieder einmal setzen sich die 0,95% als 95% in Szene, ein fataler Schulterschluss zwischen Kulturmanageropportunisten ohne jegliches kreative Potential und kaum verantwortlichen Halbpolitikern garniert mit ein paar gutmeinenden Kunstdurchschnittlern tötet die Kunst in Berlin endgültig. Obwohl man an diesem Abend öfter Tacheles hören musste, hat nicht einer Klartext gesprochen.

Städte funktionieren eben nicht wie Konsumprodukte, Kulturentwicklung bzw. Kunst schon gar nicht. Fanatische Gründer, Überzeugungstäter und Leute, die nicht anders können, sind auch heute noch durchaus ein Fall für die Medizin. An die Minderheit, die Künstler dieser Stadt, sollte man die Worte richten: "Nicht wir prägen Berlin, sondern Berlin prägt uns." Die Kulturverwaltung Berlins kann gestrichen werden, einfach die Kohle an den Rat der Künste und an die Koalition der freien Szene (beides bis auf einige Ausnahmen die gleichen Leute / üblichen Verdächtigen) überweisen, dann stirbt die Hochkultur und die Offkultur - die Szene wird frei und das Kulturleben der Stadt so provinzionell wie die Kulturstaatssekretäre und Gründungsgründer.

Liebe Künstler, lasst euch nicht von den 95% an der Nase herumführen, die Bolschewiki (die Mehrheitler) aus Kultursenat und freien Kulturunternehmerkreisen verteilen unter sich einen Kuchen, der zum einen noch gar nicht gebacken ist, und zum zweiten, bei diesen offensichtlichen Bildungsniveaudefiziten, in den Schulen und Universitäten besser aufgehoben wäre. Arbeitsgruppen zur Geldverteilung untereinander, wie von Schmitz vorgeschlagen, sind die gleichen Korruptionsbiotope wie Präsidentschaftsurlaube bei Finanzdienstleistern, insofern ist man nur bedingt kreativ und einfallsreich.

Wir die 95% können weder Opernsanierung noch Flugzeugplatz und von wegen Kultur, da lachen ja die Tachelesen, oh `tschuldigens die Hühner......

Und für alle, die gerne wissen möchten, was ein Markenkern in der Wirtschaft der Erwachsenen wirklich ist, hier die Definition:
In der Analyse des Markenkerns geht es darum, die beständige Substanz aus Werten und Kompetenzen aufzudecken, die eine Marke ausmachen. Phaydon geht dabei vom Konzept der narrativen Markenpersönlichkeit aus, das jede (erfolgreiche) Marke als eine klar ausgebildete Identität mit spezifischen "Charaktereigenschaften" in einer langfristig angelegten Markenstory ansieht.
Markenkernanalysen lohnen sich gerade im Hinblick auf ein konkurrenzstarkes Umfeld, wenn es darum geht, die Identität einer Marke in Abgrenzung zum Wettbewerb klarer zu positionieren und zu festigen.


Und so bleibt der Berliner Markenkern billiges Bier, billige Hotels und schlechte Architektur.

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euer Tacheles Team

Kommentare:

  1. Der Markenkern Berlins ist Mauer, Nazis und Hausbesetzer. Stadt im Wandel ist Unfug, jede Stadt ist im Wandel, das bemerken aber nur die, die Städte nicht als Marke begreifen. Das Kulturmanagement behauptet die freie Szene zu sein, z.B. Jochen Sandigs WIR und ICH - Problem, und geht mit der Kulturverwaltung eine unheilige Allianz ein. Die Künstlerinnen bleiben außen vor.

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  2. Zitat: Tagesspiegel.....

    „Wir sind die 95 %“ war die jüngste Diskussionsveranstaltung in seliger Occupy-Tradition überschrieben: Besetzt den Bären!

    Sonderlich kämpferisch allerdings ging's nicht zu auf dem Podium, wo unter anderem Kulturstaatssekretär André Schmitz und seine Hamburger Kollegin, die Kultursenatorin Barbara Kisseler zum Erfahrungsaustausch über die City Tax saßen. Am Ende des Abends durfte man getrost festhalten: Im Walde nichts Neues. Und das ist keine gute Nachricht.

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  3. Zitat Berliner Zeitung:

    Dass die Übernachtungen auf 25 Millionen hochschnellen und drei von vier Besuchern wegen der Kultur kommen, an wem liegt das? Etwa an der Club- und Musikszene, der Nofretete, den Opern, gar dem Friedrichstadtpalast? Nein! An den 95 Prozent!

    Das genau ist der falsche Umkehrschluss, mit dem die 95 Prozent ihre Rechnung aufmachen, eine Coolness-Rechnung ohne Musik- und Clubszene. Dorthin nämlich und weniger in die schrägen Off-Theater rennen die Besucher zu Millionen. Aber Clubs sind ja wirtschaftliche Unternehmen, die zählen nicht zu den 95 Prozent.

    Die freie Szene in Berlin ist stark und gut und unterfinanziert. Dass selbst geförderte Projekte Gagen unter fünf Euro ausweisen, diskriminiert Künstler. Dass die Szene einen Topf entdeckt hat, aus dem sie die Hälfte für sich will, kann man also nur unterstützen. Wenn das mit weniger falschem Getöse ginge, wäre es noch besser. Ach ja, und noch schlimmer als eine prekäre Galerie wäre fraglos ein Gully ohne Deckel, auch in Marzahn.

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  4. Ist denn die city tax als Kultursprit für Künstler überhaupt angedacht? Ein netter Gedanke jedenfalls.

    Vom Tiefbauamt bis zur Stadtschlossrekonstruktion würde doch ebenfalls mühelos Bedarf mit großer Lobby angemeldet werden...Die Verlockung scheint doch eher der Gedanke, unmittelbar von den Besuchern einen Beitrag zur Pflege eines sich selbst prostituierenden Heimatkundemuseums mit hoher Statistenbeteiligung einzusammeln? Wenn alles bleibt, wie es ist...
    Daß da der Tachelese lacht, ist einleuchtend. Hat er sich doch selbst längst mit den ökonomischen Gegebenheiten arrangiert (pfiffig!). In Anbetracht der Devise "Wir sind hier keine Leistungsgesellschaft" (Zitat M.Reiter) schien mir der Betrieb später für meinen Geschmack zu, nennen wir oder ich es, hubbiesk geleitet. Vorraussetzung für persönlichen Gewinn (egal, welcher Natur) ist selbstredend Dabeisein. Ein Stil, der flächendeckend verbreitet ist und aus manchem wackeren Selbstverwirklicher ein lachendes Huhn generiert.
    FREIlich eine Wahrnehmung, die auf mangelnden Einblick rückführbar ist und der Wandel ist stetig (s.o.).
    Mit Vergnügen - asha berlin

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